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Alt 08.02.2010, 23:55   #17  
detlef lorenz
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Ort: Hamburg
Beiträge: 1.138
Weiter gehts und zwar mit der Abbildung eines Forts im Nordosten der USA, also in Neu-England:



Das "Fort Ticonderoga" spielt in der amerikanischen Geschichte eine beinahe überragende Bedeutung. Es liegt an der schmalsten Verbindungsstelle zwischen den Seen "Lake Champlain" und "Lake George". Es wird auch als das "Gibraltar des Nordostens" betitelt, was sicherlich ein wenig übertrieben ist, aber wichtig war es schon. Eingebettet in eine herrliche Wald- und Seenlandschaft, sicherte es die Verbindungswege zwischen dem Sankt Lorenz Strom und dem Hudson River, der bei New York in den Ozean mündet. Im Kolonialkrieg zwischen den Engländern und den Franzosen um die Vorherrschaft in östlichen Nordamerika, 1755 - 1763, spielt es eine bedeutende Rolle. Es ist die Zeit der "Lederstrumpfgeschichten", die hier ihren Ursprung haben.
Während der amerikanischen Revolution gegen die englische Vorherrschaft ist Fort Ticonderoga die erste Befestigung, die von den Amerikanern erobert wurde.






So sah es zur Zeit der Engländer aus, wenn die Wache aufzog.
Fort Ticonderoga war ohne Zweifel ein Fort, aber es war dem Sinne nach eine "Festung" und das ist etwas ganz anderes, als ein Kavalariestützpunkt im Wilden Westen.
Genauso muß auch Fort Vancouver gesehen werden, oder Fort Roß. Letztgenanntes war genauso eine ursprüngliche, befestigte Handelsstation, ebenso...







...das vielberühmte "Fort Laramie" in Wyoming. Auch das war eine Gründung von Pelztierjägern, die hier ihren Stützpunkt zum Handeln mit den Indianern gegründet hatten. Das war so um die Jahre ab 1836. Die Händler errichteten, genau wir Daniel Boone, eine Palisadenumwallung um ihre Wohn-, Handels- und sonstigen benötigten Gebäude. Erst ab 1849 kam die US-Armee in dieses Gebiet und begann mit dem Aufbau einer militärischen Struktur.
Am Fluß links unten ist eine gestrichelte Linie zu sehen: das war Fort Laramie zu Handelszeiten. Der ganze Rest ist kurz danach das militärische Fort Laramie gewesen.






Auf diesem Foto sind restaurierte und einige z. Zt. noch verfallene Gebäude zu erkennen.





Kommen wir nun zu einem Fort, bei dem ich mir damals sicher war, endlich nach langem Suchen das klassische Westernfort zu finden: "Fort Apache" in der gleichnamigen Indianerreservation im Südwesten Arizonas. Aus dem Norden kommend fuhr ich in ein Tal und hielt Auschau nach "meinen" Palisaden. Zur linken Hand sah ich zwar einige Gebäude, beachtete sie aber nicht. Ein Wegweiser führte mich aber dann genau darauf zu. Mein erster Weg führte in das Informationszetrum der Anlage und zum ersten Parkranger, die mir über den Weg lief (kein Schreibfehler). Dort fragte ich nach Palisaden und erhielt die ernüchternde Auskunft: Westernforts der US-Kavalerie hat es nie gegeben - alles Erfindung der Filmindustrie. An die hat sich dann die Comicindustrie angeschlossen und wir wollen es mal zugeben, schick sieht so ein Ding ja aus,...






...wenn die Indianer mit Geheul drum herum reiten, ihre Brandpfeile abschiessen und sich selber wie die Tontauben ebenfalls abschiessen lassen. In dem Infocenter traf ich auch noch auf einen alten Apachen, der mir die traurige Wahrheit nachdrücklich bestätigte: kein US-Kavalerie-Fort im Westen war durch Palisaden eingezäunt.
So wie das nächste:




Copyright: Giraud, Dargaud, Ehapa. Text: Koralle, ZACK.

"Camp Bowie", ebenfalls in Arizona. Hier eine Zeichnung aus Blueberry "Der verlorene Reiter". Ich war im Camp Bowie, habe aber leider keine Fotos gemacht, denn von dieser Militäranlage gibt es nur kümmerliche Überreste, Grundmauern und sonstige Steinhaufen die ein Bild im Papierzeitalter der Fotografie nicht lohnten.
Wie auf den Zeichnungen zu sehen, ist die Landschaft recht karg und gebirgig.






Dieses Foto von mir veranschaulicht die Situation recht deutlich, wobei ich mich hier sogar weiter südlich und höher befinde, als Fort Bowie liegt. Es ist hier grüner, mehr als Krüppelkiefer waren aber auch nicht zu finden und keine meterlangen kerzengrade gewachsenen Bäume, aus denen man Palisaden bauen kann.




Copyright: Giraud, Dargaud, Ehapa. Text: Koralle, ZACK.


"Fort Navajo" aus der gleichnamigen ersten Blueberry-Episode ist da schon realistischer gezeichnet. In einer alten spanischen Missionsstation haben sich die Militärs niedergelassen und machen dort "Indianerkriege", oder versuchen sie zu verhindern, je nach dem, wie die Politik es für richtig hält.
Aus Stein, der dort in Massen herum liegt, können Häuser und Mauern errichtet werden und bieten möglicherwiese tatsächlich einen gewissen Schutz gegen die Apachen.


Ich bin am Ende meiner Betrachtungen über die US-Kavalarie-Westernforts angelangt - leider nur eine kurze Abhandlung - und es lag nicht in meiner Absicht Gefühle zu verletzen, oder Illusionen zu zerstören. Allerdings weiß ich nicht, warum es nur mir so gegangen sein sollte - und deshalb: geteiltes Leid ist halbes Leid.
Als nächste Episode werde ich wahrscheinlich etwas aus der "Jugend von Blueberry" berichten und zwar ein Erlebnis von ihm (und mir) im Norden von Texas.
__________________
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